VPOD-Umfrage im Berner Gesundheitswesen

Von: Meret Schindler, Gewerkschaftssekretärin VPOD

Ungenügende Arbeitsbedingungen, zu tiefe Löhne, zu kleine Renten. Das ist das Fazit aus einer Umfrage der Gewerkschaft VPOD. Sie zeigt grosse Mängel im Gesundheitswesen auf.

Mit Blick auf die Lohnverhandlungen im Herbst wollte die Gewerkschaft VPOD Bern vom Personal wissen, wie viel es arbeitet, wie es sich organisiert, ob die Pikettzulage von 3 Franken und eine 42 Stunden Woche auch nach 20 Jahren noch zeitgemäss sind, wie es mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Rente aussieht und ob der Lohn zum Leben reicht oder eben nicht.

Fazit: Die Löhne sind zu tief, Pikett und andere Zulagen sind zu schlecht abgegolten und auch die Pensionierung erst mit 65 ist für die Mehrheit keine Option.

Die Pikettzulage ist seit 20 Jahren bei 30 Franken pro Dienst. Nur die effektiv geleistete Zeit wird abgegolten. Dies stört gerade im Covid 19-Jahr viele: Sie mussten bereitstehen ohne Einsatz und warten. Da die Zeit nicht abgegolten ist, wurden bei voll geplanten Monaten viele Minusstunden generiert. Über die Zeit verfügen konnte das Personal trotzdem nicht: Rufbereitschaft war angesagt. Pikett droht auch sonst immer mehr zu Arbeit auf Abruf zu verkommen. Dabei wäre er da, um äusserste Patientennotfälle abzudecken. Nun wird immer mehr Personal mit Pikett zusätzlich eingeplant. Zu schlechten Arbeitsbedingungen: 30 Fr. für 8 bis 12 h Dauer. Etwas unternehmen oder auch nur einkaufen kann man trotzdem nicht in der Zeit. Die Umfrage zeigt auf: Eine Erhöhung auf 10 Fr. pro Stunde würde schon vieles verbessern.

Die Löhne entwickeln sich nur langsam im Gesundheitswesen. Die Lohnerhöhungen reichen oft nicht einmal, um die steigenden Krankenkassenkosten zu bezahlen. Laut der Umfrage ist das Personal unzufrieden mit dem Lohn. Mit dem Einstiegs- wie auch mit dem aktuellen Lohn. 77% sind mit ihrem aktuellen Lohn nicht zufrieden! Und 60% waren nicht mal mit ihrem Einstiegslohn zufrieden. Der VPOD fordert nun Verbesserungen beim Einstiegslohn und auch eine regelmässige Lohnentwicklung!

Personal fehlt überall. Da muss eine schweizweite Lösung gefunden werden und die Arbeitsbedingungen allgemein verbessert werden. So haben die Antworten ergeben, dass das Rentenalter 60 im Gesundheitswesen unbedingt auf die politische Agenda gehört.

Zitat Meret Schindler, Gewerkschaftssekretärin VPOD: «Dass die Angestellten beim Pikett einen solchen Nachholbedarf sehen, hätte ich nicht erwartet. Die Mehrheit will einfach eine echte Anerkennung in Franken und auch eine Zeitgutschrift. Damit sie eine gewisse Sicherheit haben.»

Zitat Meret Schindler, Gewerkschaftssekretärin VPOD: «Gerade die Covid19 Krise zeigt, wie wichtig ein gutes öffentliches Gesundheitswesen ist. Dafür braucht es endlich bessere Löhne und Arbeitsbedingungen! 80% der Teilnehmenden etwa finden, dass 80% arbeiten reichen müsste.»

Detaillerter Artikel zu den Ergebnissen der Umfrage

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