Teuerungsausgleich Stadt Bern

Von: Michel Berger

Der VPOD Stadt Bern präsentiert seinen Verhandlungsvorschlag für die Gespräche mit dem Gemeinderat. Er sieht einen sozial abgestuften Teuerungsausgleich vor. Der VPOD fordert nur für tiefen Lohnklassen den vollen Teuerungsausgleich. Bei den mittleren und hohen Lohnklassen ist der VPOD zu Konzessionen bereit. Damit nimmt er Rücksicht auf die schwierige städtische Finanzlage.

Sozial abgestufter Teuerungsausgleich

Die Gewerkschaft für das öffentliche Personal ist sich bewusst, dass die Inflation die Stadt Bern zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt trifft. So bezeichnete VPOD-Regionalsekretär Michel Berger die finanzielle Situation der Stadt an der heutigen Medienkonferenz denn auch als schwierig. Das sei auch der Grund, weshalb der VPOD das Sparprogramm FIT II nach wie vor mittrage, obwohl dieses von den Beschäftigten beträchtliche Opfer abverlange.

Verzicht heisst Reallohn-Kürzung

Gleichzeitig wies Michel Berger allerdings darauf hin, dass die Teuerung den Beschäftigten mit tiefen und mittleren Löhnen schwer zu schaffen macht. Viele Mitarbeitende und ihre Familien seien nicht in der Lage, die Preissteigerungen aufzufangen oder zu umgehen. Das bringe sie auf Dauer an ihre finanziellen Grenzen. «Wird die Teuerung nicht ausgeglichen, dann ist das faktisch eine Reallohn-Kürzung», warnte Michel Berger. Darum sei ein Verzicht auf den Teue- rungsausgleich für viele Beschäftigte nicht zumutbar und komme für den VPOD nicht in Frage. Dies gelte umso mehr, als der automatische Teuerungsausgleich im Personalreglement festgeschrieben sei und die Beschäftigten ein Anrecht darauf hätten.

Ausgewogener Kompromiss

Im Spannungsfeld zwischen den berechtigten Interessen der städtischen Finanzen und der Notwenigkeit, die Kaufkraft der städtischen Löhne zu schützen, hat sich der VPOD entschieden, mit Blick auf die Verhandlungen mit dem Gemeinderat ein Kompromissangebot für den Teuerungsausgleich 2023 auszuarbeiten. Dieses sieht im Wesentlichen Folgendes vor:

  • Die Lohnklassen bis brutto 80’000 Franken erhalten den vollen Teuerungsausgleich.
  • Den Lohnklassen bis brutto 120'000 Franken wird 75 Prozent der Teuerung ausgeglichen.
  • Bei den Löhnen über 120'000 Franken wird auf die Teuerung verzichtet.

Der VPOD ist überzeugt, dem Gemeinderat damit einen ausgewogenen Vorschlag zu unterbreiten, welcher auch von den meisten Parteien und von breiten Teilen der Berner Bevölkerung mitgetragen wird. «Wir verhindern damit, dass die tiefen Einkommen in ernsthafte Nöte geraten und machen dort Konzessionen, wo sie eher tragbar sind: bei den mittleren und vor allem bei den hohen Lohnklassen», so Michel Berger. Das sei zum einen sozialpolitisch verantwortbar. Zum anderen erlaube es der Kompromiss, auf den vollen Teuerungsausgleich zu verzichten und damit den Finanzhaushalt zu schonen.

Im Interesse der Stadt Bern

Nach Ansicht des VPOD ist der vorgelegte Kompromiss auch aus Sicht der Stadt Bern sinnvoll. Mit dem Teuerungsausgleich nimmt die Stadt Bern laut VPOD ihre sozialpolitische Verantwortung als Arbeitgeberin wahr und bleibt als solche attraktiv. Dies sei für die Stadt gerade heute angesichts des herrschenden Fachkräftemangels wichtig. Denn massive Abstriche beim Teuerungsausgleich würden der städtischen Verwaltung einen Wettbewerbsnachteil bringen.

Hinzu kommt, dass die Stadt Bern als wichtige Arbeitgeberin in der Region in der Verantwortung steht, eine Vorbildfunktion wahrzunehmen. Dazu gehöre, dass sie bezüglich Teuerungsausgleich mit gutem Beispiel voranschreite und mithelfe, ein positives Signal für andere Unternehmen und die regionale Wirtschaft auszusenden, damit diese nachziehen würden.

Ferner ist der VPOD überzeugt, dass der vorgelegte Kompromiss für die Stadt Bern verkraftbar ist. So weist die Gewerkschaft darauf hin, dass die Inflation auch einen Effekt auf die Steuereinnahmen hat. Denn wegen der Preissteigerungen kann bei den Steuern progressionsbedingt voraussichtlich mit Mehreinnahmen gerechnet werden. Zudem führt die Inflation laut VPOD zu einer Entwertung der Schulden bzw. zu einer gewissen Entschuldung, zumal dafür noch die alten, tiefen Zinsen zu zahlen sind.

Ball liegt beim Gemeinderat

Für den VPOD liegt der Ball damit nun beim Gemeinderat. «Ich hoffe sehr, er nimmt diesen Ball auf», sagt Michel Berger. «Denn was wir präsentieren, ist eine vernünftige und pragmatische Diskussionsgrundlage im Interesse aller.»


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07.11.2022Medienkonferenz 3.11. Referat BergerPDF (302 kB)