Lohnrunde 2025 Spitäler und Kliniken

Von: Meret Schindler, Gewerkschaftssekretärin VPOD Bern, Janine Junker, Geschäftsführerin VSAO Bern, Manuela Kocher Hirt, Präsidentin SBK Bern

Bei den Lohnverhandlungen um den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Berner Spitäler und Kliniken gibt es eine erste Zwischenbilanz. Während die Regionalspitäler ihren Mitarbeitenden im 2025 realistische, an die angespannte Marktsituation angepasste Gehälter bieten, hinken die Psychiatrien UPD und PZM noch hinterher. Bei der Insel Gruppe sorgen Sparmassnahmen und Massenentlassungen nach wie vor für Missstände.

«Zu viel Innovation und nun fehlt der Insel Gruppe das Geld fürs Personal – das ist der falsche Weg.»

Weniger Personal, mehr Arbeit, stagnierender Lohn in der Insel Gruppe

Mitte 2024 kündigte die Insel Gruppe Sparmassnahmen und einen massiven Stellenabbau an. Sollten die Personalverbände einen Lohnanstieg durchsetzen, müsste dies mit weiteren Entlassungen kompensiert werden, so der Tenor seitens der Insel Gruppe zu Beginn der Verhandlungen. Die Massenentlassungen, gepaart mit einer undurchsichtigen Kommunikation und Missmanagement haben beim Personal zu Unmut, Angst und Verunsicherung geführt. Trotz gescheiterter Verhandlungen mit der Insel Gruppe wird auf einen Gang vor die Paritätische Kommission (Pariko) verzichtet. Dies, um die bereits angespannte Situation nicht noch weiter zu verschärfen.

Der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO Bern), der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD Bern) sowie der Schweizer Berufsverband für Pflegefachpersonal (SBK Bern) kritisieren die Situation um die Insel Gruppe schwer. Der Stellenabbau löse das Problem nicht, sondern verschärfe es zusätzlich, so die Haltung der Personalverbände. Die Geschäftsführerin des VSAO Bern Janine Junker sagt:

«Die Personalsituation im Gesundheitswesen ist bereits sehr angespannt und der Fachkräftemangel allgegenwärtig. Es muss alles getan werden, um diesem entgegenzuwirken. So darf etwa die medizinische Aus- und Weiterbildung keinesfalls vom Stellenabbau betroffen sein. Auch soll die bevorstehende Lohnrunde nicht noch mehr Entlassungen nach sich ziehen.»

Trotz enormer finanzieller Schwierigkeiten habe die Insel Gruppe in den vergangenen Jahren grosse Investitionen getätigt, etwa im Bereich Umbau und Digitalisierung. Die Folgen würden nun von den Mitarbeitenden ausgebadet, so die Personalverbände. Die Höhe der Löhne sei derzeit alles andere als zufriedenstellend, denn es fehle sowohl ein Teuerungsausgleich als auch eine Lohnentwicklung. Schuld daran habe auch die Politik. Denn wo andere Branchen Lohnerhöhungen mit Preissteigerungen eher ausgleichen können, ist das Gesundheitswesen an starre Tarife gebunden.

Bei den jüngsten Lohnverhandlungen mit der Insel Gruppe konnte bisher keine Einigung erzielt werden. Immerhin wurde einer Erhöhung des Nacht- und Wochenendzuschlags um einen Franken zugestimmt. Diese Anpassung wurde bereits in der Lohnrunde 2023 vereinbart. In Zukunft muss das Personal der Insel Gruppe wieder oberste Priorität haben, fordern die drei Personalverbände.

«Durch den Personalabbau nimmt die bereits enorm hohe Arbeitsbelastung weiter zu. Dass Investitionen in Lohnmassnahmen zusätzliche Kündigungen zur Folge hätten, ist für das Personal ein bitteres Los. Faktisch sollen Mitarbeitende auf Lohnerhöhungen verzichten, damit die Belastung am Arbeitsplatz nicht noch weiter zunimmt», kritisiert Manuela Kocher Hirt, Präsidentin des SBK Bern.

Pariko bei den Psychiatrien unumgänglich

Die Lohnverhandlungen mit den Psychiatrien gelten ebenfalls als gescheitert. Dennoch sehen die Personalverbände hier mehr Potenzial für eine Lohnentwicklung. Ein Gang vor die Pariko wurde eingeleitet.

Regionalspitäler zeigen, dass es anders geht

Bessere Aussichten versprechen die Lohnverhandlungen mit den verschiedenen Berner Regionalspitälern (Spital STS AG, Spitäler fmi AG, Spital Emmental, SRO AG, Réseau de l’Arc und Spitalzentrum Biel). Mit ihnen konnten Lohnanstiege von 1,1 bis 1,42 Prozent ausgehandelt werden. Alle Spitäler erhöhen die Zulagen für Nacht- und Wochenendarbeit auf mindestens CHF 9.– pro Stunde. Die weiteren Lohnmassnahmen werden unterschiedlich verwendet, unter anderem für generelle und individuelle Lohnerhöhungen sowie für zusätzliche Freitage.

«Mit Lohnerhöhungen zeigt eine Arbeitgeberin ihren Mitarbeitenden Wertschätzung», erklärt Meret Schindler, Gewerkschaftssekretärin des VPOD Bern. «Bleibt diese aus, mindert das die Attraktivität des Arbeitsplatzes massiv – mit gravierenden Folgen für beide Seiten. Ohne Teuerungsausgleich sinken die Löhne faktisch und der Unmut bei den Mitarbeitenden steigt.»